REIZEND!
"Die Funktion des Selbstbildes für die psychische Regulation des Verhaltens besteht in der Motivierung der Ichbeteiligung und in der Organisation, der Gerichtetheit von Verhalten und Erleben. Die Übereinstimmung von Selbstbild und Wunschbild sowie die von Selbstbild und Fremdbild sind wesentliche Voraussetzungen für die Leistungsfähigkeit, die psychische Gesundheit und zu angemessenem interpersonalen Umgang der Person." (Quelle: Wikipedia)
Gehe ich von einer signifikanten Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild aus, kann ich wohl behaupten, daß eine solche Selbstdarstellung wirkungslos bis überflüssig ist! Wer daraus Schlüsse auf Leistungsfähigkeit, psychische Gesundheit und die Qualität des interpersonalen Umgangs meiner Person ziehen möchte, dem sei dies freigestellt!!!
Je ne regrette RIEN!!!
Nässe und Schwüle ...Wind und Regen wechseln sich ab. Ein Frösteln durchfährt den Körper, der sich anfühlt, als hielten Schweiß und Tränen ihn zusammen. Klamm, klebrig und schutzlos. Man möchte sich dem Regen hingeben, in den Schlamm sinken und warten bis man reingewaschen ist.
Im Garten nistete ein Meisenpäärchen. Nicht in einem normalen Nest, versteckt im hochgelegenen Geäst, sondern in einem dekorativ herumstehenden Tonkrug, welcher seit Jahren den Platz nicht gewechselt hatte. Nie kam ich auf die Idee, ein solches Fleckchen des Stillstandes, würde einem Vogelpaar als Nest dienen. Sinn- und Zweckmässigkeit sollte man bei näherer Überlegung getrost beiseite lassen. Der enge, schmale Hals dürfte dem Nachwuchs erhebliche Schwierigkeiten bereiten, gleichwohl vermagaber der bauchige Krug ein wohliges, geschütztes Gefühl zu hinterlassen. Dem Staunen folgte der Zweifel. Der Meiserich vertat seine Zeit mit lockenden Gesängen, während seine Gattin die neue Behausung hütete und die Brut übernahm. Welche Katze würde wohl als erstes Wind von der freudigen Botschaft bekommen? Neugierig stellte ich mir das Szenario im Innern vor. Ob die beiden überhaupt oft genug nach draussen kamen? Ich lunzte mit einer kleinen Taschenlampe hinein und erhaschte einen bösen Blick, angsterfüllt und starr. Schuldbewusst zog ich mich zurück um dem Schauspiel seinen Lauf zu lassen. Majestätisch und betont gelangweilt warf meine liebe Katze hin und wieder einen Blick in Richtung des Kruges. Das Warten gehört zum Spiel, dachte ich mir und nahm die Gute mit ins Haus. Es war keine sonderliche Überraschung, als der Krug am nächsten Morgen auf dem Boden lag. Nicht gebrochen, aber nun verlassen und ..., nein, nicht leer. Vorsichtig versuchte ich den Inhalt ans Tageslicht zu befördern, sorgsam mit Handschuhen bekleidet, um nicht mit meinem Duft ins Geschehen zu pfuschen. Traurig zählte ich 12 Eier, allesamtaufgesprungen und blutverkrustet. Welch unzureichender Trost, dass die Beute nicht einmal angerührt wurde, allein durch die Gewalt des Aufpralls zerschellte. Ein Gefühl der Sinnentleerung kam in mir hoch. Tiere, die töten, um des Tötens willen. Die Natur mag grausam sein...dennoch, dem Instinkt des Einzelnen kann man nicht viel entgegensetzten. Ich füllte das Schälchen mit Katzenfutter und sah zu, wie mein Kätzchen sich auf dem Sofa zusammenkringelte, gesättigt und zufrieden! Ich beneidete sie fast ein wenig. Ein Streben nach Perfektionismus und Glück ist ihr nicht Inne...sie folgt Ihrem vorgegebenen Weg, eine Hingabe ohne Bewusstsein. Wie simpel und komplex zugleich.
Eiskalt und laut zieht der Wind vorbei an den mühsam umschlungenen Gliedmaßen. Erbarmungslos kriecht er in jede Ritze, die die starren Hände nicht verdecken können. Das ist der Winter, den ich nicht mag, den ich jedes Jahr aufs neue fürchte.
Eben kämpfte ich noch mit dem Zipfel des Schals der sich selbstgefällig vom Hals wickelte, da merke ich auch schon, wie es an den Nieren beachtlich zieht! Ich überlege kurz, ob ich mir das Unterhemd vor aller Augen umständlich zurück in die Hose quetschen soll. Allein die Tatsache, dass jemand mein altes Unterhemd sehen könnte, schreckt mich nicht, viel mehr ist es die Vorstellung, meine wollweiße Angoraunterhose könne dabei unfreiwillig zur Schau gestellt werden. Jedoch, wer sich einmal den eisigen Winden der Nordsee hingegeben hat, der weiß eine lange Unterhose durchaus zu schätzen.
Wie auch immer, hartgesottene Touristen stampfen der Kälte trotzend die Deiche entlang, den Blick starr auf die See gerichtet, als warteten sie auf eine Antwort aus der Weite des Horizonts. Das Wasser liegt ruhig, kaum Wellengang, die Möwenwirken langsam und starr. Ob sie die Kälte in gleichem Maße spüren? Nur selten werden sie aufgescheucht und wechseln ihre Versammlungsorte. Ich muss an Hitchcock denken. Mir wird noch kälter. Die hell strahlende Sonne wirkt fast ein wenig hämisch am Himmel, so taucht sie doch die Strandpromenade in ein fast surreales Licht. Das Grün auf den mit Rasen bepflanzten Deichen wirkt tatsächlich wie eingefroren, wie dem Sommer entnommen und tiefgekühlt, nur um in seiner Farbe den Strandläufer zu erfreuen, ihn zu täuschen, ihn zu besänftigen.