Montag, 3. Mai 2010

ein bisschen Wehmut

Im Garten nistete ein Meisenpäärchen. Nicht in einem normalen Nest, versteckt im hochgelegenen Geäst, sondern in einem dekorativ herumstehenden Tonkrug, welcher seit Jahren den Platz nicht gewechselt hatte. Nie kam ich auf die Idee, ein solches Fleckchen des Stillstandes, würde einem Vogelpaar als Nest dienen. Sinn- und Zweckmässigkeit sollte man bei näherer Überlegung getrost beiseite lassen. Der enge, schmale Hals dürfte dem Nachwuchs erhebliche Schwierigkeiten bereiten, gleichwohl vermag aber der bauchige Krug ein wohliges, geschütztes Gefühl zu hinterlassen. Dem Staunen folgte der Zweifel. Der Meiserich vertat seine Zeit mit lockenden Gesängen, während seine Gattin die neue Behausung hütete und die Brut übernahm. Welche Katze würde wohl als erstes Wind von der freudigen Botschaft bekommen? Neugierig stellte ich mir das Szenario im Innern vor. Ob die beiden überhaupt oft genug nach draussen kamen? Ich lunzte mit einer kleinen Taschenlampe hinein und erhaschte einen bösen Blick, angsterfüllt und starr. Schuldbewusst zog ich mich zurück um dem Schauspiel seinen Lauf zu lassen. Majestätisch und betont gelangweilt warf meine liebe Katze hin und wieder einen Blick in Richtung des Kruges. Das Warten gehört zum Spiel, dachte ich mir und nahm die Gute mit ins Haus. Es war keine sonderliche Überraschung, als der Krug am nächsten Morgen auf dem Boden lag. Nicht gebrochen, aber nun verlassen und ..., nein, nicht leer. Vorsichtig versuchte ich den Inhalt ans Tageslicht zu befördern, sorgsam mit Handschuhen bekleidet, um nicht mit meinem Duft ins Geschehen zu pfuschen. Traurig zählte ich 12 Eier, allesamt aufgesprungen und blutverkrustet. Welch unzureichender Trost, dass die Beute nicht einmal angerührt wurde, allein durch die Gewalt des Aufpralls zerschellte. Ein Gefühl der Sinnentleerung kam in mir hoch. Tiere, die töten, um des Tötens willen. Die Natur mag grausam sein...dennoch, dem Instinkt des Einzelnen kann man nicht viel entgegensetzten. Ich füllte das Schälchen mit Katzenfutter und sah zu, wie mein Kätzchen sich auf dem Sofa zusammenkringelte, gesättigt und zufrieden! Ich beneidete sie fast ein wenig. Ein Streben nach Perfektionismus und Glück ist ihr nicht Inne...sie folgt Ihrem vorgegebenen Weg, eine Hingabe ohne Bewusstsein. Wie simpel und komplex zugleich.

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